• eingetragen am: 02.11.2017 um 12:08 Uhr, Alter: 18 Tag(e)
  • Kategorie: Landespolitik
  • 22. Hallesches Mediengespräch im neuen theater Halle: "Was ist Wahrheit - Warum fake news so schwer zu stoppen sind"


    Impulsreferat durch den Medienprofi Dr. Wolfram Weimer

    Blick in die Podiumsrunde (v.l.n.r.) Verleger Dr. Wolfram Weimer (verdeckt), Chef der Magdeburger Volksstimme Alois Kösters, Moderatorin Nikola Marquardt, Staatsminsiter Rainer Robra, Publizistin Dr. Liane Bednarz, Psychoanlaytiker Dr. Hans-Joachim Maaz

    Halles nt-Intendant Matthias Brenner stellte den Veranstaltungsort zur Verfügung

    Moderatorin Nikola Marquardt führte kompetent durch die Diskussion

    Es ging durchaus kontrovers zu beim 22. Mediengespräch, das die Medienanstalt Sachsen-Anhalt zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung im neuen theater zu Halle am 1. November 2017 ausgerichtet hat. Dem Thema "Was ist Wahrheit - Warum fake news so schwer zu stoppen sind" ging eine illustre Podiumsrunde mit dem Chef der Staatskanzlei und Kultusminister Rainer Robra, dem Publizisten und Verleger Dr. Wolfram Weimer, dem Chefredakteur der "Magdeburger Volksstimme" Alois Kösters, der Publizistin Dr. Liane Bednarz sowie dem halleschen Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz - sachkundig geführt von der Diplomjournalistin und Moderatorin Nikola Marquardt - nach.

    Die anwesenden Verleger, Fernseh- und Rundfunkdirektoren, die Verteter der Medienanstalt und des Medienrates sowie wie im Fall von Markus Kurze, MdL und medienpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sowie dem Staatsminister als Politikvertreter positionierten sich zum "Netzwerkdurchsetzungsgesetz", durch das falsche, rechtswidrige oder rassistische Inhalte gelöscht werden sollen. Der Chefredakteur von WELT, Cicero und Focus, Wolfram Weimer, lehnt das ab und fordert die Rücknahme des Gesetzes."Wenn Freiheitsräume enger gemacht werden, wird auch die Wahrheit enger gemacht", so sein Credo. In seinem Impulsreferat verweist er in dem Zusammenhang auf den aktuellen Bücher-Bestseller "1984" von George Orwell (geschrieben von 1946 bis 1948 und erschienen im Juni 1949), in dem es um den Kontrollstaat geht, der entscheidet, was Wahrheit oder Lüge ist.

    Sachsen-Anhalts Staatsminister Rainer Robra spricht sich ebenfalls für Meinungsvielfalt aus. Er verweist auf die vorhandenen Instrumente wie Pressegesetz, Presserat oder Pressekodex zur Wahrung ehtischer Standards und rät zudem, das Gegenüber zu prüfen. Es sei ein Unterschied, sich mit realen Personen oder social bots auseinander zu setzen, die auf Stichworte programmierten und menschliche Verhaltensmuster nachahmenden Simulatoren.

    Auf ein anderes Phänomen macht Liane Bednarz aufmerksam: "Seitdem ich mich offen für die Bekämpfung des Rachtsextremsimus ausgesprochen habe, machen mich Linksextremisten zu ihrer Feindin". Ganz praktisch erläutert sie das am Beispiel ihres Erlebens auf der Frankfurter Buchmesse. Und sie macht in bezug auf das Netzwerkdurchsetzungsgesetz darauf aufmerksam, das hier auch juristisch zu klären sein wird, was eine "Offensichtlich rechtswidrige Veröffentlichung" ist: der Post an sich oder die Kommentare der anderen?

    Magdeburgs Chefredakteur Alois Kösters hat dazu eine ganz klare Haltung und setzt auf das "Verursacherprinzip". "Bei aller Diskussion, die wir hier über fake news, social bots oder andere Erscheinungen wie bashings führen, bleibt die Marke "facebook" unberührt. Und die Veröffentlichungen erfolgen zumeist anonym. Das ist neu und sprengt unseren ordnungspolitischen Rahmen".

    Bevor die Podiumsrunde mit den Zuschauern über analoge und digitale Welten, Mittel und Möglichkeiten der Bewahrung von Glaubwürdigkeit sowie der Eindämmung bzw. Verhinderung von Manipulation diskutiert, bringt Verleger Weimer noch einmal einen knallharten Fakt: Bei Nichtlöschung von fake news sind hohe Strafen zu zahlen: bei facebook vom Betreiber der Seite, bei allen anderen Medien vom herausgebenden Verlag.

    Und schließlich konstatiert der Psychoanalytiker Maaz: "Die Lüge ist die Basis des sozialen Auskommens. Die Wahrheit würde irritieren und die Mehrheit will nicht beunruhigt werden". So erklärt er u.a. die Zunahme von fake news.

    Lobende Worte fand Markus Kurze zur Rolle der Landesmedienanstalt sowie das Medienkompetenzzentrum, das viele Angebote für Interessenten aller Alters- und Berufsschichten sowie für "best ager" parat hält. Zudem komme der Schulung von Lehrkräften eine immer stärkere Bedeutung zu. Medienkompetenz als Lehr- und Schulfach sei unabdingbar.

    Die Runde hätte sicher gern noch etwas mehr von Staatsminister Robra zu seinen jüngsten Äußerungen über eine Reformierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erfahren. Aber das wäre schon wieder ein neues abendfüllendes Programmthema.    -tr