• eingetragen am: 15.05.2018 um 09:10 Uhr, Alter: 94 Tag(e)
  • Kategorie: Landespolitik
  • 17 Orte in Sachsen-Anhalt für die bundesweite „Grand Tour der Moderne“ ausgewählt


    Sachsen-Anhalt nimmt mit insgesamt 17 Orten an der Grand Tour der Moderne des deutschlandweiten Bauhaus Verbundes 2019 mit Bauten in Dessau-Roßlau, Halle (Saale), Magdeburg, Lutherstadt Wittenberg und Elbingerode teil. Dazu sagte Kulturminister Rainer Robra: „Die Auswahl der Jury schlägt die Brücke von den Anfängen der Moderne bis heute. In Sachsen-Anhalt befand sich in den 1920er Jahren der Nukleus der Moderne in Deutschland. Das sieht man an der großen Zahl der ausgewählten Orte. Mit der Aufnahme des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau wird zudem deutlich, dass auch heute in Sachsen-Anhalt modern gedacht wird.“

    In Dessau-Roßlau sind auf der Grand Tour die authentischen Bauhausgebäude zu finden. Zu diesen gehören die bereits als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichneten Bauten – das Bauhausgebäude und die Meisterhaussiedlung, 1926 nach den Entwürfen des ersten Bauhausdirektors Walter Gropius errichtet,  und die Laubenganghäuser (1929-1930) des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyer. Hinzu kommen die Siedlung Törten mit dem Konsumgebäude (1926-1928), das experimentelle Stahlhaus (1926-1927) nach Entwürfen der Bauhäusler Georg Muche und Richard Paulick sowie das Restaurant Kornhaus von Carl Fieger (1929-1930). Für das in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts neue Phänomen der Massenarbeitslosigkeit und den daraus resultierenden Verwaltungsaufgaben entwickelte Walter Gropius mit dem Arbeitsamt (1927-1929) eine geniale Lösung für eine gänzlich neue Bauaufgabe.

     

    In Halle an der Saale gehört die Kröllwitzbrücke (Giebichensteinbrücke) (1926-1928), eine Gemeinschaftsleistung von Künstlern der Burg Giebichenstein mit den Monumentalplastiken „Kuh“ und „Pferd“ von Gerhard Marcks, zur Grand Tour der Moderne. Die sowohl in konstruktiv-technischer als auch künstlerischer Hinsicht herausstechende Brücke spielt noch heute eine zentrale Bedeutung im halleschen Straßennetz. Die fünfgeschossige Großgarage Süd (1927-1929) des Architekten Walter Tutenberg, die Platz für 150-160 Fahrzeuge bot, zählt zu den bedeutendsten Hochgaragen der Zwischenkriegszeit in Deutschland.

    In Magdeburg ist auf der Grand Tour die 1911-1933 erbaute Gartenstadt Kolonie Reform zu finden. Architekturgeschichtlich hochbedeutsam sind darin die von 1913 bis 1930 von Bruno Taut stark farbig gestalteten Abschnitte. Für das seinerzeit aufsehenerregende „Bunte Magdeburg“ unter Tauts Ägide als Stadtbaurat steht die Fassadenbemalung der Otto-Richter-Straße (1921) nach Entwurf des Architekten Carl Krayl. Die ab 1925 errichtete Herrmann-Beims-Siedlung repräsentiert in der Grand Tour das umfangreiche soziale Wohnungsbauprogramm der Stadt und ist als erste deutsche Großsiedlung der Moderne mit 2000 Wohnungen nach einheitlichem Gesamtplan ein Baudenkmal von nationalem Rang. Den Kristallisationspunkt von Magdeburgs Ambitionen als Stadt der Moderne bilden die 1926-1927 errichteten Bauten am Ausstellungsgelände auf der Elbeinsel – die Stadthalle nach den Entwürfen von Stadtbaurat Johannes Göderitz sowie der Aussichtsturm, das Pferdetor und die Lichtstelen des Architekten Albinmüller.

    In der Lutherstadt Wittenberg wurde mit der Werkssiedlung Piesteritz (1916-1919) eine Gartenstadt der frühen Moderne nach Entwurf des Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg auf die Route aufgenommen, die sich heute auch als autofreie Siedlung auszeichnet.

    Hinzu kommt hoch im Harz in Elbingerode das Diakonissen-Mutterhaus Neuvandsburg (1932-1934). Der Architekt Godehard Schwethelm schuf mit dem Schwestern-Wohnheim mit Kirchsaal und Schwimmbad ein Gesamtkunstwerk des Neuen Bauens, das bis heute in der ursprünglichen Weise genutzt wird.

    Auf die Grand Tour der Moderne wurden zudem Gebäude aufgenommen, die beispielhaft zur Lösung aktueller Bauaufgaben beitragen. Zu diesen zählt in Sachsen-Anhalt das Gebäude des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau, das 2005 nach den Entwürfen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton entstand. In dem Gebäude werden durch solare Energieeinträge, hoch dämmende Außenwände und eine Erdwärmetauschanlage ökologische Anforderungen beispielhaft erfüllt.

    Hintergrund:

    Sachsen-Anhalt bereitet das Bauhausjubiläum 2019 zusammen mit seinen Partnern im Bauhaus Verbund 2019 vor, zu denen der Bund und zehn weitere Bundesländer gehören.

    Zu den Initiativprojekten des Bauhaus Verbunds 2019 gehört die deutschlandweite Reiseroute „Grand Tour der Moderne“. Das Projekt vemittelt ein Verständnis für die Geschichte der modernen Architektur in Deutschland über die üblichen Fachkreise hinaus. Begleitend werden touristische Angebote, ein Reiseführer, ein Kinderbuch und ein digitales Navigationsinstrument entwickelt. Mehr als 100 Orte aus 100 Jahren wurden von einer Jury ausgewählt. Die enge Zusammenarbeit mit den Einrichtungen vor Ort, Tourismusverbänden und Marketingorganisationen stellt die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit aller Objekte sicher.

    Quelle: Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 243/2018