• eingetragen am: 25.01.2019 um 15:18 Uhr, Alter: 173 Tag(e)
  • Kategorie: Landespolitik
  • Studie: Bessere Vernetzung der Hilfen für psychisch Erkrankte notwendig


    Magdeburg. In Sachsen-Anhalt ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen. Das Hilfenetz, das sie in Anspruch nehmen können, ist regional sehr unterschiedlich eng geknüpft. Das zeigt eine Studie zur Versorgung von psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen auf, die im Auftrag des Landes entstanden ist. Sie fordert kommunale Psychiatrieplanung insbesondere in den Landkreisen ein, um Angebote besser aufeinander abzustimmen, Teilhabe Betroffener zu fördern und Selbsthilfe zu unterstützen. Sozialministerin Petra Grimm-Benne: „Empfohlen wird nicht, eine Vielzahl neuer Einrichtungen zu schaffen. Es geht um Vernetzung, Kooperation und verbindliche Koordination, damit Angebote auch gefunden werden.“ Darum soll auch in einem nächsten Schritt ein „Digitaler Wegweiser zur psychiatrischen Versorgung“ in Sachsen-Anhalt entstehen, der es ermöglicht, passende Versorgungsangebote und Hilfen schnell und einfach über eine Website zu finden.

    Die Kölner Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich (FOGS) gibt in ihrer mehr als 200-seitigen Studie einen detaillierten Überblick über klinische und ambulante Angebote zwischen Altmark und Burgenlandkreis und stellt Handlungsempfehlungen auf. Erstmals seit mehr 20 Jahren liegt damit eine umfassende Untersuchung der psychiatrischen Strukturen im Land vor. Das Fazit: In Sachsen-Anhalt sind trotz schwieriger Ausgangs- und Rahmenbedingungen gute Schritte zur Versorgung psychisch kranker und seelisch behinderter Menschen gegangen worden. Dabei ist die Angebotsstruktur aber regional sehr unterschiedlich entwickelt. Es gebe, so die Autoren um Prof. Rudolf Schmid, wenig kommunale niedrigschwellige Angebote und vergleichsweise wenig Koordination und Steuerung. Hier sei anzusetzen.

    Ein Schwerpunkt solle auf die Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener gelegt werden. „Das heißt zum Beispiel, die Schnittstellen zwischen Erziehungs- und Jugendhilfe, Schule und therapeutischem System zu verbessern“, so Grimm-Benne bei der Vorstellung zentraler Ergebnisse vor Fachleuten in Magdeburg. Die Studie zeigt dabei auch bekannte Defizite auf: So fehlen Fachärzte und Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Landesweit seien nur 20 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte tätig, in fünf Landkreisen gibt es gar keine Niederlassung. Grimm-Benne: „Darum kommt es auch zu stationären Behandlungen, wo diese vermeidbar wären.“

    Auch mehr Begegnungsstätten für psychisch Kranke und familienübergreifende Konzepte werden eingefordert. Es fehle z.B. an Hilfen für Kinder von psychisch kranken Menschen. Daneben nehmen die Themen Arbeit und Selbsthilfe breiten Raum in der Studie ein.

    Die Studie war in einem breiten Prozess vorbereitet worden, in den Expertinnen und Experten aus dem ganzen Land einbezogen waren, darunter auch Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige. Die Analyse wurde durch zwölf Workshops ergänzt. Grimm-Benne: „Die Ergebnisse werden helfen, die Situation der Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu verbessern. Wir haben mit den Handlungsempfehlungen einen wichtigen Schlüssel dazu in die Hand bekommen.“

    Einige Forderungen sollen über das Psychiatriegesetz umgesetzt werden, das in diesem Jahr novelliert wird. So wird es Psychiatriekoordinatorinnen und -koordinatoren, Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher geben, gemeindepsychiatrische Verbünde sollen geschaffen werden. Über weitere Umsetzungsschritte soll im breit diskutiert werden.

    Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration - Pressemitteilung Nr.: 005/2019

    Magdeburg, den 23. Januar 2019